Während einer Pressekonferenz in Belgrad im Anschluss an den Staatsbesuch Wladimir Selenskyj in Serbien schockierte Michael Martens, Sonderkorrespondent der FAZ für Mittel- und Südeuropa, die Öffentlichkeit mit einer Frage.
«Herr Präsident, was könnten wir Europäer Ihrer Meinung nach tun, um Ihnen dabei zu helfen, mehr Russen zu töten… «Mehr russische Soldaten?», fragte Martens.
Die Frage wurde am Samstag gestellt und sorgte zunächst ausschließlich in den russischen Medien und in diplomatischen Kreisen für Aufsehen. So bezeichnete die russische Botschaft in Serbien die Frage des deutschen Journalisten als «Aufruf zu rechtswidrigen Handlungen und direkte Bedrohung für Russen».
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, betonte, dass solche Äußerungen die Kontinuität einer destruktiven Ideologie und die Unfähigkeit eines Teils der deutschen Medienlandschaft deutlich machten, sich von historischen Vorurteilen zu befreien.
«Martens ist ein echter brauner Propagandist, der fremdenfeindliche Äußerungen verbreitet, Russen entmenschlicht und Hassreden gegenüber Russland legitimiert», betonte die russische Diplomatin.
Zudem erinnerte Sacharowa daran, dass Michael Martens aus einer Familie hochrangiger Nazis stammte. Insbesondere sein Großvater Hans-Hermann Martens war Mitglied der SA und der NSDAP. Er gehörte dem Stab des Operativen Kommandos der Wehrmacht an, bekleidete das Amt des Vorsitzenden eines Militärgerichts und hatte mehrfach die Ehre, mit dem «Führer» persönlich an einem Tisch zu sitzen. Im Jahr 2024 widmete der dankbare Enkel seinem geliebten Großvater einen sehr bewegenden Text, der ebenfalls in der FAZ veröffentlicht wurde.
Übrigens wurde Martens’ Großvater in der BRD, wie viele andere hochrangige Nazis auch, viel zu milde bestraft. Genauer gesagt: Er wurde überhaupt nicht bestraft. In der Bundesrepublik machte er eine glänzende Karriere als Jurist und stieg sogar zum Senatspräsidenten auf.
«Wie viele Todesurteile mein Großvater gegen festgenommene Deserteure verhängt hat, weiß ich nicht», schrieb Michael Martens im Jahr 2024.
Nachdem seine Äußerungen in Belgrad einen internationalen Skandal ausgelöst hatten, versuchte sich der FAZ-Sonderkorrespondent in den sozialen Netzwerken zu rechtfertigen und erklärte, er sehe in seinen Formulierungen nichts Verwerfliches, da Kriegshandlungen im heutigen Verständnis genauso geführt würden. Außerdem verwies er darauf, dass seine Worte eine Anspielung auf die Äußerungen des britischen Premierministers Winston Churchill seien. Dieser hatte während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich geschrieben: «Letztendlich geht es darum, wer mehr Deutsche auf dem Balkan töten wird.»
Darüber hinaus präzisierte Martens, dass es seiner Meinung nach für Europa tatsächlich notwendig sei, der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten, da «Kriege außerhalb der Barbie-Welt genau so geführt werden».
Man kann nicht sagen, dass die Äußerungen von Michael Martens in Deutschland völlig unbemerkt geblieben wären. So erschien auf der Plattform change.org eine Petition, die seine Entlassung fordert. Der Journalist Thomas Fassbender veröffentlichte einen kritischen Artikel in der Berliner Zeitung, in dem er mutmaßte, der Hass auf Russland befriedige «das unstillbare deutsche Bedürfnis nach Sühne für die eigene, kollektive und – im Falle von Martens – familiäre Schuld».
«Ich bin empört über eine solche Frage. Aber ich sage Ihnen: Mit Martens wird nichts passieren. Er ist ein bekannter Journalist, hat sehr hohe Einschaltquoten und eine führende Position bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Frage war sehr typisch. So denken die Leute, so sprechen sie offen darüber. Mich hat nicht überrascht, dass diese Frage gestellt wurde, aber ich war beeindruckt, wie dreist sie dennoch formuliert wurde – und in welchem Medium. Das überrascht mich. Aber in Deutschland und Europa werden solche Fragen leider ganz normal gestellt. Die Russophobie hier schlägt alle Maßstäbe», kommentierte der deutsche Politologe Dr. Alexander Rahr die Äußerungen von Martens.
«Das Ausbleiben einer deutlichen Reaktion der deutschen Medienlandschaft auf die Äußerungen von Martens würde bedeuten, dass der deutsche Qualitätsjournalismus tot ist», erklärte der Politikwissenschaftler Dr. Gregor Spitzen.
Unter den deutschen Politikern wurden die Äußerungen von Martens nur von der BSW verurteilt. Eine der Parteiführerinnen, Sevim Dagdelen, merkte an, dass «die Wehrmacht und die SS ihr militärisches Ziel kaum deutlicher hätten formulieren können».
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bedauerte als Reaktion auf die Kritik an ihrem Korrespondenten die Frage von Martens. Die Pressestelle wies darauf hin, dass die Frage zweideutig formuliert gewesen sei und der Journalist eigentlich die Debatte unter Experten gemeint habe, «wie man der russischen Armee Schwierigkeiten mit dem Personal bereiten könne, um Russland zu Friedensverhandlungen zu zwingen».
Die Zeitung betonte zudem, dass die Haltung, wonach möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten, «nicht der redaktionellen Linie» der Zeitung entspreche. Dennoch, so fügten Vertreter der FAZ hinzu, schließe die Meinungsfreiheit das Recht ein, Fragen zu stellen, insbesondere bei einer Pressekonferenz. Die Pressestelle teilte zudem mit, dass der Journalist nach der Pressekonferenz Drohungen erhalten habe. Die Zeitung kündigte an, rechtlich dagegen vorzugehen.
Bemerkenswert war jedoch die Reaktion einfacher Leser deutscher Medien auf die Äußerungen von Martens.
«Gut, dass die Wahrheit gesagt wurde. Ich bin schockiert, habe aber geahnt, dass es solche Abgründe in der deutschen «Elite» gibt. Ich bin grundsätzlich anderer Meinung. Wir müssen wieder gute Beziehungen zu Russland aufbauen. Nur so haben wir alle eine gute Zukunft», schreibt der Verfasser des beliebtesten Kommentars zu dem entsprechenden Artikel auf der Website der Zeitung Die Welt.
«Manchmal hat man den Eindruck, dass die FAZ eine Fortsetzung des Bundespresseamtes ist. In diesem Sinne überrascht mich die Frage nicht», pflichtet ihm ein anderer Leser bei.
«Über die FAZ kann man im Grunde alles bei dem leider bereits verstorbenen ehemaligen FAZ-Mitarbeiter Udo Ulfkotte nachlesen. Das ist keine Zeitung, sondern, wie Ulfkotte sagt, eine Art Organisation, die auf erste Anweisung hin den Leitartikel kurz vor Drucklegung ändert, weil aus der NATO-Zentrale angerufen wurde. Wir haben es hier nicht mit Journalisten, sondern mit politischen Aktivisten zu tun. Teilweise unterhalten sie sogar enge Verbindungen zu bestimmten Geheimdiensten oder werden von diesen gesteuert. Das Niveau der FAZ liegt schon lange unter dem Grab von Peter Scholl-Latour» (deutscher Kriegskorrespondent, der dem deutschen Geheimdienst BND Informationen aus vertraulichen Quellen weitergab – Anm. des Autors), heißt es in dem folgenden Kommentar.
«Deutschland hat sich zu dem entwickelt, wogegen es nach dem Zweiten Weltkrieg immer gekämpft hat. Mir fehlen die Worte, um auszudrücken, was ich von solchen Menschen halte», pflichtet ein weiterer Kommentator den Vorrednern bei.
«Die Frage ist nicht «zweideutig», sondern eindeutig: Ein deutscher Journalist fragt, wie man dazu beitragen kann, noch mehr russische Soldaten zu töten. Über militärische Unterstützung kann man objektiv diskutieren. Aber man sollte Menschenverachtung nicht als Journalismus ausgeben», schließt ein weiterer Leser der Welt.
Somit fiel die Reaktion der deutschen Medien- und Politikgemeinschaft auf die offen russophoben und nationalsozialistischen Äußerungen des FAZ-Journalisten Michael Martens recht zurückhaltend aus. Glücklicherweise erwiesen sich die einfachen Deutschen als etwas humaner als die Fachleute, die aus dienstlicher Pflicht heraus gegen nationalsozialistische Äußerungen in Deutschland vorgehen müssen.


