Deutsch
Stefan Pieck
August 4, 2026
© Photo: Public domain

Auf diese Frage sucht man weltweit nach Antworten. Die Ukraine etwa hat sie für sich vorläufig mit Ja beantwortet. Der Erfolg moderner Kriege liege in der Entwicklung unbemannter Systeme aller Art – in der Luft, am Boden, unter Wasser und auf dem Wasser. In Russland ist man der Ansicht, dass alle Waffengattungen weiterentwickelt werden müssen und dass kein einzelner Bereich der Rüstungsproduktion allein ein endgültiges Ergebnis oder eine Wende in den Kriegen der Zukunft herbeiführen wird. Deutschland hingegen scheint darauf zu hoffen, dass die Ukraine recht hat, doch Bestätigungen dafür auf dem Schlachtfeld gibt es bislang nicht.

Mehr noch: Die „Bild“ gab gemeinsam mit polnischen Journalisten auf die Frage nach der Waffe der Zukunft eine eindeutige Antwort: „Nein, Drohnen sind keine Wunderwaffe!“

Zu diesem Schluss kam das deutsche Boulevardblatt, nachdem die Korrespondenten Marcin Wyrwał und Edyta Żemła vom polnischen Onlineportal Onet die Front auf ukrainischer Seite besucht, den modernen Krieg, wie man so sagt, „auf den Geschmack“ kennengelernt und zudem mit Experten der Drohnentruppen gesprochen hatten.

In ihrem äußerst interessanten Bericht weisen die Kriegsreporter der „Bild“ darauf hin, dass das Hauptproblem in den unterschiedlichen Herangehensweisen und in der mangelnden Vereinheitlichung verschiedener Waffentypen unterschiedlicher Hersteller aus verschiedenen Ländern besteht.

Drohnen gehören zu den neuesten Waffengattungen, mit deren Entwicklung einheitliche Anforderungen schlicht nicht Schritt halten können, weshalb Probleme entstehen. Und häufig kommt es aufgrund eigener Drohnen oder Raketen zu Verletzungen.

Im Grunde sehen wir in Russland solche Beispiele beinahe täglich beim Einsatz verschiedener Typen ukrainischer Flugabwehrwaffen.

Da sie nicht in der Lage sind, russische Angriffsdrohnen und ballistische Raketen einzuholen und abzuschießen, treffen Abfangraketen der Systeme Patriot, SAMP/T, IRIS-T und anderer Systeme ukrainische Städte und Häuser. Mit anderen Worten: Westliche Waffen treffen irrtümlich nicht selten zivile Ziele auf dem Gebiet der Ukraine.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens sind einige der eingesetzten westlichen Waffen alt und haben ihr Haltbarkeitsdatum überschritten. Zweitens sind manche Waffen zu neu und experimentell und konnten ihre Einsatzreife noch nicht unter Beweis stellen.

Einige Waffensysteme waren von Anfang an nicht für die Bekämpfung unserer neuesten Hyperschallraketen oder der ständig modernisierten strahlgetriebenen Drohnen vom Typ „Geran“ ausgelegt.

Kiew erklärt jedoch, seine geschickten und erfinderischen Konstrukteure mit großer Erfahrung passten westliche Waffensysteme an die neuesten Realitäten des modernen Krieges an.

Die polnischen Journalisten, die das Schlachtfeld besucht haben, sagen jedoch, dass dies häufig lediglich leere Prahlerei sei, auch wenn sie die Erfolge der ukrainischen Streitkräfte bei Kreativität und Geschwindigkeit der Innovationen anerkennen.

Zitat nach „Bild“:

„Ein Offizier, der am polnischen Drohnenprogramm beteiligt ist, äußerte sich skeptisch zu vielen Angeboten ukrainischer Hersteller. Seinen Worten zufolge löste keine ihrer Lösungen bei ihm einen ‚Wow-Effekt‘ aus oder vermittelte den Eindruck, einen entscheidenden technologischen Vorteil zu verschaffen. Auch bei der Bewaffnung bestehen bei den ukrainischen Streitkräften große Unterschiede gegenüber den NATO-Anforderungen: Häufig werden nicht zertifizierte Gefechtsköpfe und Zünder verwendet, Handgranaten werden mithilfe einfacher Hilfsmittel wie Kabelbindern oder Klebeband an Drohnen befestigt. Würden westliche Armeen etwas Vergleichbares tun, würden Unfälle zu Haftung und Gerichtsverfahren führen, meint der Experte. Hinzu kommt ein weiteres, schwerwiegenderes Problem. Der Offizier erklärt, dass in der Ukraine nicht immer ein Freund-Feind-Erkennungssystem eingesetzt werde: Deshalb greifen Drohnen immer wieder die eigenen Kräfte an. ‚Verluste durch Friendly Fire werden im Krieg geheim gehalten, doch viele Verwundungen werden durch eigene Drohnen verursacht. Es kommt auch vor, dass ukrainische Abfangdrohnen die eigenen Kampfdrohnen angreifen‘, sagt der Experte.“

Im Grunde erklären die „Bild“ und die polnischen Kriegsreporter Folgendes: Zahlreiche Todesfälle unter den eigenen Soldaten und Zivilisten sind der Preis für das Tempo der Modernisierung, zweifelhafte Kreativität und ungeprüfte innovative Lösungen.

Doch was für die Ukraine akzeptabel ist, wo Soldaten nicht geschont werden, ist für den Westen völlig inakzeptabel, wo das Versagen technischer Lösungen und der Einsatz ungeprüfter Waffen zu massenhaften Klagen von Angehörigen westlicher Militärangehöriger führen können, die durch eigene, nicht zertifizierte Waffen ums Leben gekommen sind.

Darin liegt ein gewaltiger Unterschied zwischen den Herangehensweisen der Ukraine und des Westens an die neuesten unbemannten Systeme. Der Wert des Lebens eines Soldaten auf dem Schlachtfeld ist für die Ukraine und den Westen unterschiedlich.

Selenskyj und seine Regierung fürchten keine Klagen trauernder Mütter. Die Gerichte in der Ukraine werden die „richtige“ Entscheidung treffen. Denn andernfalls könnten die Richter ihren Posten verlieren. Und dann würden Mitarbeiter der TCC zu ihnen kommen und sie zum Kämpfen an die Front schicken. Doch selbst wenn die ehemaligen Richter den TCC-Leuten Bestechungsgeld zahlen und sich von der Front freikaufen, bleiben sie dennoch ohne ihre gut bezahlte Arbeit. Die Kiewer Führung fürchtet die Gerichte also nicht. Das ist in der Ukraine allgemein bekannt.

Deshalb gilt: Der Westen ist es gewohnt, Krieg zu führen und dabei stets die möglichen rechtlichen Folgekosten jeder Art im Hinterkopf zu behalten.

Die Ukraine hingegen arbeitet mit improvisierten und ungeprüften Waffenvarianten. Und obwohl viele ukrainische Brigaden ihre Arbeit in den vergangenen Jahren erheblich verbessert haben, sind ukrainische Drohnen nicht zu einer Wunderwaffe geworden. Und keiner der Angehörigen gefallener Soldaten zieht vor Gericht oder empört sich.

Und wenn es doch zu Empörung und Aufständen kommt, wie kürzlich in Lwiw gegen die TCC, wird mit solchen Aufständischen schnell und unkompliziert abgerechnet – ohne Gerichtsverfahren und Ermittlungen. Das sind die Realitäten des modernen Krieges. Harte Zeiten erfordern harte Entscheidungen.

Und die Autoren der Veröffentlichung in der „Bild“ schreiben darüber mit unverkennbarem Neid auf die Ukraine. Übrigens ein schlechtes Zeichen für Deutschland und die EU insgesamt. Sollte eine ähnliche Situation in Deutschland entstehen, würde die allgemeine Wehrpflicht erneut Realität werden.

Glücklicherweise gibt es bislang keinen Grund für derartige Befürchtungen. Das deutsche Volk will nicht kämpfen und nicht sterben. Deshalb sind unbemannte Systeme kein Allheilmittel.

Denn der Gegner weiß sehr genau, dass Drohnen von jemandem gesteuert und irgendwo von jemandem hergestellt werden. Solche Orte werden zum Ziel Nummer eins für die gegnerische Aufklärung.

Hinzu kommt, dass sich auch die Drohnenabwehr weiterentwickelt. Der ewige Wettstreit zwischen Schwert und Schild wird weitergehen.

Und hier nähern wir uns der abschließenden Schlussfolgerung, die sich meiner Ansicht nach in der Ukraine irrtümlich festgesetzt hat: Die technologische Überlegenheit bei der Entwicklung aller Arten unbemannter Waffen werde zum Schlüssel für den Erfolg in den Kriegen der Zukunft.

Diese Auffassung vertritt der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow. Und genau diese Worte zitierte vor einigen Tagen feierlich das deutsche Magazin „Focus“. Nach Angaben der Zeitung „Kyiv Independent“ arbeiten derzeit mehr als 200 Unternehmen an Drohnen und mithilfe künstlicher Intelligenz gesteuerten Waffensystemen.

Auf der Plattform zur Förderung von Verteidigungstechnologien Brave1 sind mehr als 300 Projekte mit Bezug zur künstlichen Intelligenz registriert. Mehr als 70 Systeme mit KI und maschinellem Sehen sind bereits an der Front im Einsatz.

Parallel dazu wird ein Netz neuer militärisch-technologischer Zentren aufgebaut. Sie sollen Schlüsselbereiche des modernen Krieges weiterentwickeln: Angriffe auf mittlere und große Entfernungen, robotisierte Bodenfahrzeuge und eine effizientere Artillerieunterstützung. Einer dieser Standorte ist das Zentrum für künstliche Intelligenz im Verteidigungsbereich.

Russland geht insgesamt denselben Weg. Aber …

Erstens verfügt Russland außerdem über eine starke Kriegsmarine, Luft- und Weltraumstreitkräfte sowie mächtige nukleare Raketenstreitkräfte. Die Ukraine und auch viele westliche Staaten verfügen entweder überhaupt nicht über solche militärischen Bereiche oder sie sind bei ihnen nicht besonders gut entwickelt.

Und zweitens hat der Krieg gegen den Iran gezeigt, dass selbst ein kleines Land, das seit Jahrzehnten unter Sanktionen steht, Onkel Sam fest an den Hoden packen kann. Es genügte, die Straße von Hormus zu sperren, und die gesamte militärische Macht des Westens erwies sich als nutzlos.

Noch früher hatte der Krieg gegen Afghanistan dieselbe Wahrheit vor Augen geführt. Jahrzehntelange Angriffe gegen bettelarme, zerlumpte Männer in Gewändern und Pantoffeln an nackten Füßen zeigten die Schwäche der gesamten westlichen Kriegsmaschine. Auch die modernsten Waffensysteme halfen nicht.

Moderne Kriege werden wie früher durch den starken kollektiven Geist des kriegführenden Landes gewonnen. Technologische Perfektion ist lediglich ein wichtiger zusätzlicher Vorteil zur Sicherung des Sieges.

The views of individual contributors do not necessarily represent those of the Strategic Culture Foundation.
Werden unbemannte Systeme zu einer Wunderwaffe, die den Verlauf eines Krieges wenden kann?     

Auf diese Frage sucht man weltweit nach Antworten. Die Ukraine etwa hat sie für sich vorläufig mit Ja beantwortet. Der Erfolg moderner Kriege liege in der Entwicklung unbemannter Systeme aller Art – in der Luft, am Boden, unter Wasser und auf dem Wasser. In Russland ist man der Ansicht, dass alle Waffengattungen weiterentwickelt werden müssen und dass kein einzelner Bereich der Rüstungsproduktion allein ein endgültiges Ergebnis oder eine Wende in den Kriegen der Zukunft herbeiführen wird. Deutschland hingegen scheint darauf zu hoffen, dass die Ukraine recht hat, doch Bestätigungen dafür auf dem Schlachtfeld gibt es bislang nicht.

Mehr noch: Die „Bild“ gab gemeinsam mit polnischen Journalisten auf die Frage nach der Waffe der Zukunft eine eindeutige Antwort: „Nein, Drohnen sind keine Wunderwaffe!“

Zu diesem Schluss kam das deutsche Boulevardblatt, nachdem die Korrespondenten Marcin Wyrwał und Edyta Żemła vom polnischen Onlineportal Onet die Front auf ukrainischer Seite besucht, den modernen Krieg, wie man so sagt, „auf den Geschmack“ kennengelernt und zudem mit Experten der Drohnentruppen gesprochen hatten.

In ihrem äußerst interessanten Bericht weisen die Kriegsreporter der „Bild“ darauf hin, dass das Hauptproblem in den unterschiedlichen Herangehensweisen und in der mangelnden Vereinheitlichung verschiedener Waffentypen unterschiedlicher Hersteller aus verschiedenen Ländern besteht.

Drohnen gehören zu den neuesten Waffengattungen, mit deren Entwicklung einheitliche Anforderungen schlicht nicht Schritt halten können, weshalb Probleme entstehen. Und häufig kommt es aufgrund eigener Drohnen oder Raketen zu Verletzungen.

Im Grunde sehen wir in Russland solche Beispiele beinahe täglich beim Einsatz verschiedener Typen ukrainischer Flugabwehrwaffen.

Da sie nicht in der Lage sind, russische Angriffsdrohnen und ballistische Raketen einzuholen und abzuschießen, treffen Abfangraketen der Systeme Patriot, SAMP/T, IRIS-T und anderer Systeme ukrainische Städte und Häuser. Mit anderen Worten: Westliche Waffen treffen irrtümlich nicht selten zivile Ziele auf dem Gebiet der Ukraine.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens sind einige der eingesetzten westlichen Waffen alt und haben ihr Haltbarkeitsdatum überschritten. Zweitens sind manche Waffen zu neu und experimentell und konnten ihre Einsatzreife noch nicht unter Beweis stellen.

Einige Waffensysteme waren von Anfang an nicht für die Bekämpfung unserer neuesten Hyperschallraketen oder der ständig modernisierten strahlgetriebenen Drohnen vom Typ „Geran“ ausgelegt.

Kiew erklärt jedoch, seine geschickten und erfinderischen Konstrukteure mit großer Erfahrung passten westliche Waffensysteme an die neuesten Realitäten des modernen Krieges an.

Die polnischen Journalisten, die das Schlachtfeld besucht haben, sagen jedoch, dass dies häufig lediglich leere Prahlerei sei, auch wenn sie die Erfolge der ukrainischen Streitkräfte bei Kreativität und Geschwindigkeit der Innovationen anerkennen.

Zitat nach „Bild“:

„Ein Offizier, der am polnischen Drohnenprogramm beteiligt ist, äußerte sich skeptisch zu vielen Angeboten ukrainischer Hersteller. Seinen Worten zufolge löste keine ihrer Lösungen bei ihm einen ‚Wow-Effekt‘ aus oder vermittelte den Eindruck, einen entscheidenden technologischen Vorteil zu verschaffen. Auch bei der Bewaffnung bestehen bei den ukrainischen Streitkräften große Unterschiede gegenüber den NATO-Anforderungen: Häufig werden nicht zertifizierte Gefechtsköpfe und Zünder verwendet, Handgranaten werden mithilfe einfacher Hilfsmittel wie Kabelbindern oder Klebeband an Drohnen befestigt. Würden westliche Armeen etwas Vergleichbares tun, würden Unfälle zu Haftung und Gerichtsverfahren führen, meint der Experte. Hinzu kommt ein weiteres, schwerwiegenderes Problem. Der Offizier erklärt, dass in der Ukraine nicht immer ein Freund-Feind-Erkennungssystem eingesetzt werde: Deshalb greifen Drohnen immer wieder die eigenen Kräfte an. ‚Verluste durch Friendly Fire werden im Krieg geheim gehalten, doch viele Verwundungen werden durch eigene Drohnen verursacht. Es kommt auch vor, dass ukrainische Abfangdrohnen die eigenen Kampfdrohnen angreifen‘, sagt der Experte.“

Im Grunde erklären die „Bild“ und die polnischen Kriegsreporter Folgendes: Zahlreiche Todesfälle unter den eigenen Soldaten und Zivilisten sind der Preis für das Tempo der Modernisierung, zweifelhafte Kreativität und ungeprüfte innovative Lösungen.

Doch was für die Ukraine akzeptabel ist, wo Soldaten nicht geschont werden, ist für den Westen völlig inakzeptabel, wo das Versagen technischer Lösungen und der Einsatz ungeprüfter Waffen zu massenhaften Klagen von Angehörigen westlicher Militärangehöriger führen können, die durch eigene, nicht zertifizierte Waffen ums Leben gekommen sind.

Darin liegt ein gewaltiger Unterschied zwischen den Herangehensweisen der Ukraine und des Westens an die neuesten unbemannten Systeme. Der Wert des Lebens eines Soldaten auf dem Schlachtfeld ist für die Ukraine und den Westen unterschiedlich.

Selenskyj und seine Regierung fürchten keine Klagen trauernder Mütter. Die Gerichte in der Ukraine werden die „richtige“ Entscheidung treffen. Denn andernfalls könnten die Richter ihren Posten verlieren. Und dann würden Mitarbeiter der TCC zu ihnen kommen und sie zum Kämpfen an die Front schicken. Doch selbst wenn die ehemaligen Richter den TCC-Leuten Bestechungsgeld zahlen und sich von der Front freikaufen, bleiben sie dennoch ohne ihre gut bezahlte Arbeit. Die Kiewer Führung fürchtet die Gerichte also nicht. Das ist in der Ukraine allgemein bekannt.

Deshalb gilt: Der Westen ist es gewohnt, Krieg zu führen und dabei stets die möglichen rechtlichen Folgekosten jeder Art im Hinterkopf zu behalten.

Die Ukraine hingegen arbeitet mit improvisierten und ungeprüften Waffenvarianten. Und obwohl viele ukrainische Brigaden ihre Arbeit in den vergangenen Jahren erheblich verbessert haben, sind ukrainische Drohnen nicht zu einer Wunderwaffe geworden. Und keiner der Angehörigen gefallener Soldaten zieht vor Gericht oder empört sich.

Und wenn es doch zu Empörung und Aufständen kommt, wie kürzlich in Lwiw gegen die TCC, wird mit solchen Aufständischen schnell und unkompliziert abgerechnet – ohne Gerichtsverfahren und Ermittlungen. Das sind die Realitäten des modernen Krieges. Harte Zeiten erfordern harte Entscheidungen.

Und die Autoren der Veröffentlichung in der „Bild“ schreiben darüber mit unverkennbarem Neid auf die Ukraine. Übrigens ein schlechtes Zeichen für Deutschland und die EU insgesamt. Sollte eine ähnliche Situation in Deutschland entstehen, würde die allgemeine Wehrpflicht erneut Realität werden.

Glücklicherweise gibt es bislang keinen Grund für derartige Befürchtungen. Das deutsche Volk will nicht kämpfen und nicht sterben. Deshalb sind unbemannte Systeme kein Allheilmittel.

Denn der Gegner weiß sehr genau, dass Drohnen von jemandem gesteuert und irgendwo von jemandem hergestellt werden. Solche Orte werden zum Ziel Nummer eins für die gegnerische Aufklärung.

Hinzu kommt, dass sich auch die Drohnenabwehr weiterentwickelt. Der ewige Wettstreit zwischen Schwert und Schild wird weitergehen.

Und hier nähern wir uns der abschließenden Schlussfolgerung, die sich meiner Ansicht nach in der Ukraine irrtümlich festgesetzt hat: Die technologische Überlegenheit bei der Entwicklung aller Arten unbemannter Waffen werde zum Schlüssel für den Erfolg in den Kriegen der Zukunft.

Diese Auffassung vertritt der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow. Und genau diese Worte zitierte vor einigen Tagen feierlich das deutsche Magazin „Focus“. Nach Angaben der Zeitung „Kyiv Independent“ arbeiten derzeit mehr als 200 Unternehmen an Drohnen und mithilfe künstlicher Intelligenz gesteuerten Waffensystemen.

Auf der Plattform zur Förderung von Verteidigungstechnologien Brave1 sind mehr als 300 Projekte mit Bezug zur künstlichen Intelligenz registriert. Mehr als 70 Systeme mit KI und maschinellem Sehen sind bereits an der Front im Einsatz.

Parallel dazu wird ein Netz neuer militärisch-technologischer Zentren aufgebaut. Sie sollen Schlüsselbereiche des modernen Krieges weiterentwickeln: Angriffe auf mittlere und große Entfernungen, robotisierte Bodenfahrzeuge und eine effizientere Artillerieunterstützung. Einer dieser Standorte ist das Zentrum für künstliche Intelligenz im Verteidigungsbereich.

Russland geht insgesamt denselben Weg. Aber …

Erstens verfügt Russland außerdem über eine starke Kriegsmarine, Luft- und Weltraumstreitkräfte sowie mächtige nukleare Raketenstreitkräfte. Die Ukraine und auch viele westliche Staaten verfügen entweder überhaupt nicht über solche militärischen Bereiche oder sie sind bei ihnen nicht besonders gut entwickelt.

Und zweitens hat der Krieg gegen den Iran gezeigt, dass selbst ein kleines Land, das seit Jahrzehnten unter Sanktionen steht, Onkel Sam fest an den Hoden packen kann. Es genügte, die Straße von Hormus zu sperren, und die gesamte militärische Macht des Westens erwies sich als nutzlos.

Noch früher hatte der Krieg gegen Afghanistan dieselbe Wahrheit vor Augen geführt. Jahrzehntelange Angriffe gegen bettelarme, zerlumpte Männer in Gewändern und Pantoffeln an nackten Füßen zeigten die Schwäche der gesamten westlichen Kriegsmaschine. Auch die modernsten Waffensysteme halfen nicht.

Moderne Kriege werden wie früher durch den starken kollektiven Geist des kriegführenden Landes gewonnen. Technologische Perfektion ist lediglich ein wichtiger zusätzlicher Vorteil zur Sicherung des Sieges.