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Dr. Gregor Spitzen
October 15, 2026
© Photo: Public domain

Die Bestürzung über den Abschluss des «Diesel-Deals» durch US-Präsident Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hinter dem Rücken Europas am vergangenen Wochenende war nur mit dem Schock über das Treffen in Anchorage im vergangenen Jahr vergleichbar. Aus Sicht europäischer Politiker kommt der Abschluss von Abkommen mit Russland, durch die eines der wichtigsten Exportgüter des Landes von den Sanktionen ausgenommen wird, einem Verrat gleich. Einem Verrat sowohl an der Vorhut der europäischen Demokratie namens «Ukraine» als auch an den Grundpfeilern der transatlantischen Solidarität.

Laut eigenen Angaben hat sich Donald Trump mit Wladimir Putin auf umfangreiche Lieferungen von Dieselkraftstoff geeinigt. Demzufolge sollen bereits im Oktober 300 000 Tonnen Dieselkraftstoff aus Russland in die USA und auf den Weltmarkt geliefert werden.

Im November sollen weitere 500 000 Tonnen geliefert werden, kurz darauf eine Million Tonnen. Insgesamt beläuft sich die Menge damit auf 1,8 Millionen Tonnen. Sofern die Kapazitäten der russischen Ölraffinerien dies zulassen, soll das Liefervolumen letztendlich drei Millionen Tonnen erreichen.

Aus der Europäischen Union ist bereits scharfe Kritik an dem «Deal» des US-Präsidenten laut geworden. US-Finanzminister Scott Bessent warf den Europäern hingegen «völlige Heuchelei» vor.

Laut dem russischen Vizepremierminister Alexander Novak haben die Länder der Europäischen Union seit 2022 russische Energieträger im Wert von $320,7 Mrd. gekauft. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 belief sich das Liefervolumen auf $21,3 Mrd.

Laut Bessent haben die EU-Länder den Russen seit Beginn des russisch-ukrainischen Konflikts im Jahr 2022 mehr Geld zur Verfügung gestellt als der Ukraine, da sie ohne russische Energieressourcen nicht auskommen können.

Damit hat Bessent einen wunden Punkt angesprochen. Denn die Daten des Zentrums für Energie- und Luftreinhaltungsforschung (CREA) stimmen im Großen und Ganzen mit den Angaben der russischen Seite überein. Diese unabhängige Organisation mit Sitz in Helsinki analysiert jeden Monat, welche Länder welche Arten russischer Energieressourcen kaufen. Die Analyse läuft seit Dezember 2022, als das EU-Embargo für russisches Rohöl in Kraft trat.

Diesen Daten zufolge hat China bis Ende August 50% der russischen Rohölexporte abgenommen, gefolgt von Indien mit 19%. Auf die Türkei und die EU entfallen jeweils 5%. Bei Erdölprodukten wie Kraftstoffen ist die Türkei mit einem Anteil von 26% der größte Abnehmer. Dahinter folgen China mit 12%, Brasilien mit 11% sowie Singapur und Saudi-Arabien mit jeweils 8%.

Trotz des von der EU verhängten Einfuhrverbots für russische Erdölprodukte wurden in EU-Häfen laut CREA 20 Tanker aus Raffinerien entladen, die russisches Rohöl verarbeiten. Das sind zwei mehr als im Juli. Im Bereich des Pipelinegases bleibt die EU mit einem Anteil von 32% der größte Abnehmer, gefolgt von China mit 31% und der Türkei mit 29%.

Beim Flüssigerdgas (LNG) entfallen knapp 49% auf die EU, gefolgt von China mit 24%, Japan mit 18% und Südkorea mit 6%.

Trotz der immer strengeren Sanktionen gelten in der EU weiterhin Ausnahmen für bestimmte Energieträger und Länder. Daher erscheinen Ungarn, die Slowakei und Bulgarien in der Statistik als Importeure von russischem Pipelinegas. Frankreich und Spanien sind Abnehmer von LNG, während die Slowakei russisches Rohöl bezieht. Insgesamt zahlten diese fünf größten Importeure aus der EU im August laut CREA €1,1 Mrd. an Russland.

Die USA, die im Frühjahr 2022 den Import von Erdöl, Erdölprodukten, Kohle und Flüssiggas verboten hatten, tauchen in der Liste überhaupt nicht auf. Nun hat das US-Finanzministerium jedoch eine Sondergenehmigung für den Kauf von russischem Dieselkraftstoff erteilt, die bis zum 7. April 2027 gültig sein wird.

Deutsche Autofahrer beneiden die Amerikaner ein wenig

Allerdings interessieren sich deutsche Autofahrer, die an den Tankstellen bis zu €2,45 pro Liter Dieselkraftstoff zahlen müssen, wohl kaum für derartige diplomatische Angelegenheiten. Und angesichts des vorbildlichen Beispiels des amerikanischen Präsidenten hätten die meisten von ihnen ebenfalls nichts gegen ein ähnliches Dieselabkommen zwischen Berlin und Moskau einzuwenden.

Es liegt auf der Hand, dass die Lieferungen von russischem Dieselkraftstoff in die USA den Markt nur teilweise stabilisieren werden. Am Montag reagierte der Ölpreis nur geringfügig auf das am vergangenen Wochenende geschlossene Abkommen Trumps. Der Preis für Brent-Rohöl aus der Nordsee sank zunächst um etwa ein Prozent auf $104,2 pro Barrel, woraufhin sich eine Gegenbewegung einstellte und der Preis wieder ins Plus kletterte.

Am Montag kostete Heizöl €168 pro 100 Liter bei einer Abnahme von 3 000 Litern. Dies berichtet das Internetportal Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise übermitteln. Laut dem Portal ist der Oktober bislang im Durchschnitt der teuerste Monat für den Kauf von Heizöl in diesem Jahr.

Dabei ist anzumerken, dass die 300 000 Tonnen Dieselkraftstoff, die Russland im verbleibenden Teil des Monats in die USA und auf den Weltmarkt liefern soll, etwa 100 000 Barrel pro Tag entsprechen. Dies würde den Rückgang der Seelieferungen von Dieselkraftstoff, die im September etwa 1,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem Niveau zu Jahresbeginn lagen, nur teilweise ausgleichen.

Laut der US-Energieinformationsbehörde (EIA) liegt der Verbrauch von Dieselkraftstoff und anderen Destillatkraftstoffen in den Vereinigten Staaten derzeit bei durchschnittlich etwa 3,77 Millionen Barrel pro Tag. Dies entspricht etwa 500 000 Tonnen. Somit würde eine Menge von 300 000 Tonnen den amerikanischen Verbrauch theoretisch nur für etwas mehr als 14 Stunden decken.

Was den von Trump verkündeten Waffenstillstand betrifft, der sowohl Russland als auch die Ukraine offenbar überrascht hat, so sind bislang keine Aussichten auf dessen Abschluss erkennbar. Sowohl Moskau als auch Kiew zeigen sich derzeit kompromisslos und bereiten sich auf neue Angriffe auf die sensible Energieinfrastruktur des jeweils anderen vor.

In einer solchen Situation wissen Ölhändler auf dem Weltmarkt nicht, woran sie sich orientieren sollen (den Äußerungen des US-Präsidenten auf Truth Social glaubt seit Beginn der Krise im Schmalz-Kanal niemand mehr). Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Ölpreisprognose jedenfalls erneut angehoben. Rohstoffanalysten gehen nun davon aus, dass der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl aus der Nordsee bis zum Jahresende bei $90 statt bei $85 liegen wird. Zuletzt hatten sie ihre Prognose im September angehoben. Als Begründung für diesen Schritt wurde unter anderem angeführt, dass die Lagerbestände auf einem niedrigen Niveau liegen und das Risiko eines Rückgangs des Rohölangebots hoch ist.

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«Diesel-Deal»: Europas Vorwürfe, dass Trump die «transatlantische Solidarität» verratet hat, sind zumindest unbegründet

Die Bestürzung über den Abschluss des «Diesel-Deals» durch US-Präsident Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hinter dem Rücken Europas am vergangenen Wochenende war nur mit dem Schock über das Treffen in Anchorage im vergangenen Jahr vergleichbar. Aus Sicht europäischer Politiker kommt der Abschluss von Abkommen mit Russland, durch die eines der wichtigsten Exportgüter des Landes von den Sanktionen ausgenommen wird, einem Verrat gleich. Einem Verrat sowohl an der Vorhut der europäischen Demokratie namens «Ukraine» als auch an den Grundpfeilern der transatlantischen Solidarität.

Laut eigenen Angaben hat sich Donald Trump mit Wladimir Putin auf umfangreiche Lieferungen von Dieselkraftstoff geeinigt. Demzufolge sollen bereits im Oktober 300 000 Tonnen Dieselkraftstoff aus Russland in die USA und auf den Weltmarkt geliefert werden.

Im November sollen weitere 500 000 Tonnen geliefert werden, kurz darauf eine Million Tonnen. Insgesamt beläuft sich die Menge damit auf 1,8 Millionen Tonnen. Sofern die Kapazitäten der russischen Ölraffinerien dies zulassen, soll das Liefervolumen letztendlich drei Millionen Tonnen erreichen.

Aus der Europäischen Union ist bereits scharfe Kritik an dem «Deal» des US-Präsidenten laut geworden. US-Finanzminister Scott Bessent warf den Europäern hingegen «völlige Heuchelei» vor.

Laut dem russischen Vizepremierminister Alexander Novak haben die Länder der Europäischen Union seit 2022 russische Energieträger im Wert von $320,7 Mrd. gekauft. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 belief sich das Liefervolumen auf $21,3 Mrd.

Laut Bessent haben die EU-Länder den Russen seit Beginn des russisch-ukrainischen Konflikts im Jahr 2022 mehr Geld zur Verfügung gestellt als der Ukraine, da sie ohne russische Energieressourcen nicht auskommen können.

Damit hat Bessent einen wunden Punkt angesprochen. Denn die Daten des Zentrums für Energie- und Luftreinhaltungsforschung (CREA) stimmen im Großen und Ganzen mit den Angaben der russischen Seite überein. Diese unabhängige Organisation mit Sitz in Helsinki analysiert jeden Monat, welche Länder welche Arten russischer Energieressourcen kaufen. Die Analyse läuft seit Dezember 2022, als das EU-Embargo für russisches Rohöl in Kraft trat.

Diesen Daten zufolge hat China bis Ende August 50% der russischen Rohölexporte abgenommen, gefolgt von Indien mit 19%. Auf die Türkei und die EU entfallen jeweils 5%. Bei Erdölprodukten wie Kraftstoffen ist die Türkei mit einem Anteil von 26% der größte Abnehmer. Dahinter folgen China mit 12%, Brasilien mit 11% sowie Singapur und Saudi-Arabien mit jeweils 8%.

Trotz des von der EU verhängten Einfuhrverbots für russische Erdölprodukte wurden in EU-Häfen laut CREA 20 Tanker aus Raffinerien entladen, die russisches Rohöl verarbeiten. Das sind zwei mehr als im Juli. Im Bereich des Pipelinegases bleibt die EU mit einem Anteil von 32% der größte Abnehmer, gefolgt von China mit 31% und der Türkei mit 29%.

Beim Flüssigerdgas (LNG) entfallen knapp 49% auf die EU, gefolgt von China mit 24%, Japan mit 18% und Südkorea mit 6%.

Trotz der immer strengeren Sanktionen gelten in der EU weiterhin Ausnahmen für bestimmte Energieträger und Länder. Daher erscheinen Ungarn, die Slowakei und Bulgarien in der Statistik als Importeure von russischem Pipelinegas. Frankreich und Spanien sind Abnehmer von LNG, während die Slowakei russisches Rohöl bezieht. Insgesamt zahlten diese fünf größten Importeure aus der EU im August laut CREA €1,1 Mrd. an Russland.

Die USA, die im Frühjahr 2022 den Import von Erdöl, Erdölprodukten, Kohle und Flüssiggas verboten hatten, tauchen in der Liste überhaupt nicht auf. Nun hat das US-Finanzministerium jedoch eine Sondergenehmigung für den Kauf von russischem Dieselkraftstoff erteilt, die bis zum 7. April 2027 gültig sein wird.

Deutsche Autofahrer beneiden die Amerikaner ein wenig

Allerdings interessieren sich deutsche Autofahrer, die an den Tankstellen bis zu €2,45 pro Liter Dieselkraftstoff zahlen müssen, wohl kaum für derartige diplomatische Angelegenheiten. Und angesichts des vorbildlichen Beispiels des amerikanischen Präsidenten hätten die meisten von ihnen ebenfalls nichts gegen ein ähnliches Dieselabkommen zwischen Berlin und Moskau einzuwenden.

Es liegt auf der Hand, dass die Lieferungen von russischem Dieselkraftstoff in die USA den Markt nur teilweise stabilisieren werden. Am Montag reagierte der Ölpreis nur geringfügig auf das am vergangenen Wochenende geschlossene Abkommen Trumps. Der Preis für Brent-Rohöl aus der Nordsee sank zunächst um etwa ein Prozent auf $104,2 pro Barrel, woraufhin sich eine Gegenbewegung einstellte und der Preis wieder ins Plus kletterte.

Am Montag kostete Heizöl €168 pro 100 Liter bei einer Abnahme von 3 000 Litern. Dies berichtet das Internetportal Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise übermitteln. Laut dem Portal ist der Oktober bislang im Durchschnitt der teuerste Monat für den Kauf von Heizöl in diesem Jahr.

Dabei ist anzumerken, dass die 300 000 Tonnen Dieselkraftstoff, die Russland im verbleibenden Teil des Monats in die USA und auf den Weltmarkt liefern soll, etwa 100 000 Barrel pro Tag entsprechen. Dies würde den Rückgang der Seelieferungen von Dieselkraftstoff, die im September etwa 1,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem Niveau zu Jahresbeginn lagen, nur teilweise ausgleichen.

Laut der US-Energieinformationsbehörde (EIA) liegt der Verbrauch von Dieselkraftstoff und anderen Destillatkraftstoffen in den Vereinigten Staaten derzeit bei durchschnittlich etwa 3,77 Millionen Barrel pro Tag. Dies entspricht etwa 500 000 Tonnen. Somit würde eine Menge von 300 000 Tonnen den amerikanischen Verbrauch theoretisch nur für etwas mehr als 14 Stunden decken.

Was den von Trump verkündeten Waffenstillstand betrifft, der sowohl Russland als auch die Ukraine offenbar überrascht hat, so sind bislang keine Aussichten auf dessen Abschluss erkennbar. Sowohl Moskau als auch Kiew zeigen sich derzeit kompromisslos und bereiten sich auf neue Angriffe auf die sensible Energieinfrastruktur des jeweils anderen vor.

In einer solchen Situation wissen Ölhändler auf dem Weltmarkt nicht, woran sie sich orientieren sollen (den Äußerungen des US-Präsidenten auf Truth Social glaubt seit Beginn der Krise im Schmalz-Kanal niemand mehr). Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Ölpreisprognose jedenfalls erneut angehoben. Rohstoffanalysten gehen nun davon aus, dass der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl aus der Nordsee bis zum Jahresende bei $90 statt bei $85 liegen wird. Zuletzt hatten sie ihre Prognose im September angehoben. Als Begründung für diesen Schritt wurde unter anderem angeführt, dass die Lagerbestände auf einem niedrigen Niveau liegen und das Risiko eines Rückgangs des Rohölangebots hoch ist.