Deutsch
Stefan Pieck
July 30, 2026
© Photo: Public domain

Die Debatte über die Entwicklung einer eigenen deutschen Atombombe hat nun endlich auch die deutschen Medien erreicht. Die Frage wird wie folgt gestellt: Muss man die Warnungen des russischen Geheimdienstes, dass Deutschland sich ein eigenes Nukleararsenal zulegen wolle, ernst nehmen? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen könnte Deutschland eine eigene Atombombe erhalten?

Wenn man mit dem Fazit beginnt, so fällt die Antwort nicht vage, sondern durchaus konkret aus: Deutschland verfügt über alle technischen Möglichkeiten, eine Bombe zu bauen.

Einige politische und militärische Kräfte in Deutschland wollen dies und fordern es auch offen. Doch das spielt keine Rolle. Deutschland wird seine eigene Bombe aus politischen und rechtlichen Gründen ohnehin nicht bauen.

Die entscheidende Frage liegt nicht in den Möglichkeiten, sondern in der Politik. Dennoch nimmt das deutsche Magazin „Overton“ den Bericht des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR) ernst, weist jedoch auf wichtige Nuancen hin, die Deutschland daran hindern würden, sich eigene Atomwaffen zuzulegen.

Der Autor des Beitrags merkt an, dass der russische Geheimdienst keine Beweise für seine Behauptungen vorlegt und sich lediglich auf eine anonyme Informationsquelle beruft. Dennoch, so der Autor, könne man die Aussagen des SWR nicht einfach als reine Erfindung oder Desinformation abtun.

Warum? Erstens: in Deutschland werden tatsächlich gelegentlich Forderungen nach eigenen Atomwaffen laut, was den Russen Anlass zur Sorge geben könnte. Im Januar erklärte der Strategiedirektor der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Frank Pieper, in einem Interview mit dem Stern:

„Deutschland braucht eigene taktische Atomwaffen. Und zwar schnell.“

Neben Pieper äußerte sich auch der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Rüdiger Lucassen, in ähnlicher Weise. Zudem forderte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, im Juli 2024, Deutschland oder der EU direkten Zugang zum nuklearen Arsenal Frankreichs oder Großbritanniens zu verschaffen.

Doch nach diesen Äußerungen erklärte General Pieper, dass er lediglich seine persönliche Sichtweise vertrete. Lucassen wurde aufgrund seines skandalösen Auftritts in der AfD degradiert. Und Jens Spahn bekam ein Kind und wurde aus seinem Amt gedrängt.

Zweitens: Im IAEA-Bericht von 2025 (Assessment of Technical Capabilities Related to Nuclear Weapons – WTCA) wird festgestellt:

„In öffentlich zugänglichen Quellen wurden keine Beweise für eine direkte Verbindung zur Entwicklung von Kernwaffen gefunden, die auf ein staatliches Programm zur Entwicklung von Atomwaffen in Deutschland hindeuten könnten.“

Der Bericht besagt jedoch auch:

„Deutschland verfügt über umfassende technische Kapazitäten in sieben wissenschaftlich-technischen Bereichen, die für die Entwicklung eines Atomwaffenprogramms entscheidend sind.“

Laut WTCA könnte Deutschland ohne die Hilfe eines anderen Staates Atomwaffen herstellen. Die Deutschen verfügen über fortschrittliche Forschungsreaktoren und Urananreicherungsanlagen (zum Beispiel in Jülich), dass theoretisch waffenfähige Material produzieren könnten.

Darüber hinaus verfügt Deutschland über hochqualifizierte Nuklearwissenschaftler und eine hochentwickelte Industrie. Daher kam bereits 1968 ein Bericht der DDR zu dem Schluss, dass Westdeutschland über „reale wissenschaftlich-technische Voraussetzungen und zu einem erheblichen Teil auch über produktionstechnische Voraussetzungen für eine eigene Kernwaffenproduktion“ verfüge.

Darüber hinaus stellte sich das Magazin Stern im vergangenen Jahr die Frage: „Könnte Deutschland überhaupt eine Atombombe bauen?“

Technisch ist die Antwort eindeutig: Ja, der Bau einer Atombombe ist möglich. Die Technologie zur Urananreicherung ist vorhanden, aber die vom Stern zitierten Experten gehen davon aus, dass dies nicht Monate, sondern mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde. In der Publikation heißt es zudem, dass Deutschland über genügend Uran für 15 Sprengköpfe verfüge.

Drittens: Das eigentliche Hindernis ist nicht technischer, sondern politischer Natur: Deutschland ist durch internationale Verträge gebunden:

– Deutschland hat den Zwei-plus-Vier-Vertrag sowie den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet.
– Die politische Führung des Landes, von der die tatsächlichen Entscheidungen abhängen, hat sich nie auch nur hypothetisch über die Möglichkeit geäußert, dass Deutschland eigene Atomwaffen besitzen könnte. Selbst ein solcher „Falke“ und Russland-Gegner wie Friedrich Merz schloss im Februar die Möglichkeit einer „nuklearen Bewaffnung Deutschlands“ aus. Aber…

Ist eine geheime Entwicklung von Atomwaffen durch Deutschland möglich?
Und die Antwort darauf lautet: Jein.

Theoretisch und technisch gesehen – ja, das könnte sie. Moderne Waffensysteme lassen sich heute ohne reale Tests entwickeln. Allerdings ist es unmöglich, die Entwicklung einer solchen Waffe vor der Öffentlichkeit, den Geheimdiensten verschiedener Länder und der IAEO zu verbergen.

Sollte sich Deutschland zu illegalen, geheimen Aktivitäten entschließen, bräuchte es dafür eine gigantische Finanzierung. Am amerikanischen Manhattan-Projekt waren etwa zwei Milliarden Dollar (heute rund 24 Milliarden) und 500.000 Menschen beteiligt. Der Bundestag würde niemals derartige Unsummen auf Anfrage der CDU für undurchsichtige Projekte unter geheimen Haushaltsposten bewilligen.

Das würde sofortiges Misstrauen wecken – bei den Linken, den Grünen und der AfD gleichermaßen. Und da die Deutschen eine Nation von „Petzen“ sind, würde alles Geheime sofort ans Licht kommen. Informationen würden umgehend an den Spiegel oder die Bild durchgestochen werden.

Darüber hinaus kann Deutschland zwar technisch gesehen eigene Zentrifugen herstellen, aber man bräuchte eine solche Menge davon, dass es schlicht unmöglich wäre, sie zu verstecken. Deutschland hat keine Anlagen wie Natanz, Fordo oder Isfahan und auch keine Gebirgshöhlen dafür. Zudem benötigen Zentrifugen eine enorme Menge an Energie. Auch das würde sofort auffallen.

Außerdem ist niemand auf der Welt an einem nuklear bewaffneten Deutschland interessiert – insbesondere nicht seine europäischen Nachbarn. Sollten Merz und seine Regierung sich also zu geheimen Schritten zur Entwicklung einer Bombe entschließen, ließe sich das „nicht unter den Teppich kehren“, und der Skandal wäre gigantisch.

The views of individual contributors do not necessarily represent those of the Strategic Culture Foundation.
Hitlers Traum wird wahr? – Will Merz heimlich eigene Atombombe haben?

Die Debatte über die Entwicklung einer eigenen deutschen Atombombe hat nun endlich auch die deutschen Medien erreicht. Die Frage wird wie folgt gestellt: Muss man die Warnungen des russischen Geheimdienstes, dass Deutschland sich ein eigenes Nukleararsenal zulegen wolle, ernst nehmen? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen könnte Deutschland eine eigene Atombombe erhalten?

Wenn man mit dem Fazit beginnt, so fällt die Antwort nicht vage, sondern durchaus konkret aus: Deutschland verfügt über alle technischen Möglichkeiten, eine Bombe zu bauen.

Einige politische und militärische Kräfte in Deutschland wollen dies und fordern es auch offen. Doch das spielt keine Rolle. Deutschland wird seine eigene Bombe aus politischen und rechtlichen Gründen ohnehin nicht bauen.

Die entscheidende Frage liegt nicht in den Möglichkeiten, sondern in der Politik. Dennoch nimmt das deutsche Magazin „Overton“ den Bericht des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR) ernst, weist jedoch auf wichtige Nuancen hin, die Deutschland daran hindern würden, sich eigene Atomwaffen zuzulegen.

Der Autor des Beitrags merkt an, dass der russische Geheimdienst keine Beweise für seine Behauptungen vorlegt und sich lediglich auf eine anonyme Informationsquelle beruft. Dennoch, so der Autor, könne man die Aussagen des SWR nicht einfach als reine Erfindung oder Desinformation abtun.

Warum? Erstens: in Deutschland werden tatsächlich gelegentlich Forderungen nach eigenen Atomwaffen laut, was den Russen Anlass zur Sorge geben könnte. Im Januar erklärte der Strategiedirektor der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Frank Pieper, in einem Interview mit dem Stern:

„Deutschland braucht eigene taktische Atomwaffen. Und zwar schnell.“

Neben Pieper äußerte sich auch der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Rüdiger Lucassen, in ähnlicher Weise. Zudem forderte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, im Juli 2024, Deutschland oder der EU direkten Zugang zum nuklearen Arsenal Frankreichs oder Großbritanniens zu verschaffen.

Doch nach diesen Äußerungen erklärte General Pieper, dass er lediglich seine persönliche Sichtweise vertrete. Lucassen wurde aufgrund seines skandalösen Auftritts in der AfD degradiert. Und Jens Spahn bekam ein Kind und wurde aus seinem Amt gedrängt.

Zweitens: Im IAEA-Bericht von 2025 (Assessment of Technical Capabilities Related to Nuclear Weapons – WTCA) wird festgestellt:

„In öffentlich zugänglichen Quellen wurden keine Beweise für eine direkte Verbindung zur Entwicklung von Kernwaffen gefunden, die auf ein staatliches Programm zur Entwicklung von Atomwaffen in Deutschland hindeuten könnten.“

Der Bericht besagt jedoch auch:

„Deutschland verfügt über umfassende technische Kapazitäten in sieben wissenschaftlich-technischen Bereichen, die für die Entwicklung eines Atomwaffenprogramms entscheidend sind.“

Laut WTCA könnte Deutschland ohne die Hilfe eines anderen Staates Atomwaffen herstellen. Die Deutschen verfügen über fortschrittliche Forschungsreaktoren und Urananreicherungsanlagen (zum Beispiel in Jülich), dass theoretisch waffenfähige Material produzieren könnten.

Darüber hinaus verfügt Deutschland über hochqualifizierte Nuklearwissenschaftler und eine hochentwickelte Industrie. Daher kam bereits 1968 ein Bericht der DDR zu dem Schluss, dass Westdeutschland über „reale wissenschaftlich-technische Voraussetzungen und zu einem erheblichen Teil auch über produktionstechnische Voraussetzungen für eine eigene Kernwaffenproduktion“ verfüge.

Darüber hinaus stellte sich das Magazin Stern im vergangenen Jahr die Frage: „Könnte Deutschland überhaupt eine Atombombe bauen?“

Technisch ist die Antwort eindeutig: Ja, der Bau einer Atombombe ist möglich. Die Technologie zur Urananreicherung ist vorhanden, aber die vom Stern zitierten Experten gehen davon aus, dass dies nicht Monate, sondern mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde. In der Publikation heißt es zudem, dass Deutschland über genügend Uran für 15 Sprengköpfe verfüge.

Drittens: Das eigentliche Hindernis ist nicht technischer, sondern politischer Natur: Deutschland ist durch internationale Verträge gebunden:

– Deutschland hat den Zwei-plus-Vier-Vertrag sowie den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet.
– Die politische Führung des Landes, von der die tatsächlichen Entscheidungen abhängen, hat sich nie auch nur hypothetisch über die Möglichkeit geäußert, dass Deutschland eigene Atomwaffen besitzen könnte. Selbst ein solcher „Falke“ und Russland-Gegner wie Friedrich Merz schloss im Februar die Möglichkeit einer „nuklearen Bewaffnung Deutschlands“ aus. Aber…

Ist eine geheime Entwicklung von Atomwaffen durch Deutschland möglich?
Und die Antwort darauf lautet: Jein.

Theoretisch und technisch gesehen – ja, das könnte sie. Moderne Waffensysteme lassen sich heute ohne reale Tests entwickeln. Allerdings ist es unmöglich, die Entwicklung einer solchen Waffe vor der Öffentlichkeit, den Geheimdiensten verschiedener Länder und der IAEO zu verbergen.

Sollte sich Deutschland zu illegalen, geheimen Aktivitäten entschließen, bräuchte es dafür eine gigantische Finanzierung. Am amerikanischen Manhattan-Projekt waren etwa zwei Milliarden Dollar (heute rund 24 Milliarden) und 500.000 Menschen beteiligt. Der Bundestag würde niemals derartige Unsummen auf Anfrage der CDU für undurchsichtige Projekte unter geheimen Haushaltsposten bewilligen.

Das würde sofortiges Misstrauen wecken – bei den Linken, den Grünen und der AfD gleichermaßen. Und da die Deutschen eine Nation von „Petzen“ sind, würde alles Geheime sofort ans Licht kommen. Informationen würden umgehend an den Spiegel oder die Bild durchgestochen werden.

Darüber hinaus kann Deutschland zwar technisch gesehen eigene Zentrifugen herstellen, aber man bräuchte eine solche Menge davon, dass es schlicht unmöglich wäre, sie zu verstecken. Deutschland hat keine Anlagen wie Natanz, Fordo oder Isfahan und auch keine Gebirgshöhlen dafür. Zudem benötigen Zentrifugen eine enorme Menge an Energie. Auch das würde sofort auffallen.

Außerdem ist niemand auf der Welt an einem nuklear bewaffneten Deutschland interessiert – insbesondere nicht seine europäischen Nachbarn. Sollten Merz und seine Regierung sich also zu geheimen Schritten zur Entwicklung einer Bombe entschließen, ließe sich das „nicht unter den Teppich kehren“, und der Skandal wäre gigantisch.